Über zwei Brücken zum Awa Odori

A summer drive from Kobe over the Akashi Kaikyō and Ōnaruto bridges to Tokushima, and a night at the Awa Odori dance festival.

Im August bin ich mit dem Auto nach Tokushima gefahren. Tokushima liegt auf Shikoku, der kleinsten der vier großen Inseln Japans, und jeden Sommer findet dort das Awa Odori statt, eines der bekanntesten Tanzfeste des Landes. Ich wollte es schon lange einmal mit eigenen Augen sehen.

Schon die Fahrt dorthin war ein kleines Abenteuer. Von Kobe aus fährt man zuerst über die Akashi-Kaikyō-Brücke. Sie ist fast vier Kilometer lang und gehört zu den längsten Hängebrücken der Welt. Links und rechts sieht man nur Wasser, Schiffe und in der Ferne die Berge. Ich musste mich wirklich konzentrieren, auf die Straße zu schauen und nicht auf das Meer.

Auf der anderen Seite liegt die Insel Awaji. Man durchquert sie in ungefähr einer Stunde, vorbei an Feldern und kleinen Dörfern, und immer wieder sieht man das Meer. Am Ende der Insel kommt die zweite Brücke, die Ōnaruto-Brücke. Unter ihr liegt die Meerenge von Naruto, die für ihre Strudel berühmt ist. Wenn die Gezeiten wechseln, dreht sich das Wasser dort in großen Kreisen. Von der Brücke aus sieht man die Strudel nur kurz, aber schon das war beeindruckend.

Eine Sache sollte man vorher wissen: Billig ist die Strecke nicht. Die Maut für beide Brücken ist ziemlich hoch. Ehrlich gesagt war mir die Aussicht das Geld aber wert.

Tänzerinnen in rosa Yukata und großen Strohhüten stehen in einer Reihe auf einer Straße in Tokushima, über ihnen hängen rote und gelbe Laternen.
Kurz vor dem Auftritt: Tänzerinnen mit ihren Strohhüten am Nachmittag in Tokushima.

In Tokushima war die Stadt schon am Nachmittag voller Menschen. Überall hörte man Trommeln, Flöten und das Shamisen, eine japanische Laute mit drei Saiten. Beim Awa Odori tanzen Gruppen, die man „Ren“ nennt, durch die Straßen. Die Frauen tragen Yukata und große Strohhüte und bewegen sich elegant auf Zehenspitzen. Die Männer tanzen tiefer und wilder, mit erhobenen Armen. Das sieht ein bisschen chaotisch aus, aber alle folgen demselben Rhythmus.

Zu dem Fest gehört ein Spruch, den in Tokushima jedes Kind kennt: Die Tänzer sind Narren, und die Zuschauer sind auch Narren. Wenn wir sowieso alle Narren sind, warum tanzen wir dann nicht? Am Abend hat eine Gruppe das Publikum zum Mitmachen eingeladen, und ich habe einfach mitgetanzt. Das war mein Lieblingsmoment. Gut sah das bestimmt nicht aus, aber das war niemandem wichtig.

Spät in der Nacht bin ich müde, verschwitzt und sehr glücklich über die Brücken zurückgefahren. Im Dunkeln leuchtete die Akashi-Kaikyō-Brücke in bunten Farben. Wenn ihr einmal im August in Japan seid, kann ich euch das Awa Odori nur empfehlen. Und wenn euch jemand zum Tanzen einlädt: Macht einfach mit.

← All reading